Autor: Urs Holzer

Erster Entwurf: 15.02.2004

Letzte Bearbeitung: 27.10.2007

Du darfst diese Geschichte jedem weitergeben, solange du sie nicht abänderst. Du kannst sie weitererzählen (In deinen eigenen Worten. Dabei solltest du die Geschichte nicht absichtlich ändern. Aber du hast die Freiheit die Geschichte so weiter zu erzählen, wie du es für richtig hälst.) oder übersetzen (Es wäre enorm toll, wenn du mir deine Übersetzung zuschicken würdest!). Findest du Fehler oder hast du Verbesserungen anzubringen, dann melde dich bei mir.

Viel Spass!

Pfad der Erkenntnis

Manchmal erinnere ich mich an Dinge, die früher geschahen, an alle die Fehler, die wir machten und an das Leid, das wir auslösten. Weisst du, manchmal liessen wir sogar unsere eigenen Leute zurück, zurück in den Welten, die wir zerstörten. Wir waren so blöd. Weshalb haben wir das alles nur getan, weshalb? Wir machten alles nur noch viel schlimmer. Wer weiss, wie viele immer noch irgendwo an einem verwüsteten Ort gefangen sind.

Du willst doch wohl nicht auf einen alten, kleinen Mann schiessen, oder Elbin? Was würde dir denn das nützen? Du bist hier gefangen, nicht wahr? Genau wie ich. Deine eigenen Leute haben dich wohl hier zurück gelassen. Wir werden wohl für immer hier bleiben müssen. Halt deinen Mund, alter vertrockneter Mann. Ich sollte dich am besten gleich umlegen. Du bist eine kräftige Frau und hast einen starken Willen. Doch in dieser Welt wirst du niemals alleine überleben können. Du weisst nicht wie du an trinkbares Wasser kommst. Und was willst du essen? Schau, all diese Pflanzen, die Pilze sind giftig. Und Tiere, die du mit deinem Bogen erlegen könntest, gibt es hier keine. Ich glaube dir kein Wort! Du weisst überhaupt nichts über diese Welt. Alles was ihr Elben könnt, ist Dinge zu zerstören. Aber schiess doch! Du wirst mich ohnehin nicht treffen. Na los, schiess schon. Wenn du es nicht tust, werde ich dich töten. Die Elbin liess ihren Pfeil los, doch bevor das Geschoss sein Ziel erreichte verlor sie das Bewusstsein.

Wir können das alles nicht wieder gut machen. Nein, das könnt ihr nicht, aber müsst ihr das denn?, fragte ich. Élin wurde wütend. Ich weiss, dir kann das ja egal sein, du hast das alles nicht erlebt. Du bist auch nicht König eines Volkes, das so viel Schande begangen hat. Weisst du eigentlich wie sehr das schmerzt? Élin, ... Geh jetzt geh! Ich lief die Treppe des Turms nach unten und dachte nach. Man kann die Vergangenheit nicht wieder gut machen. Und das muss man auch nicht. Aber die Gegenwart kann man gut machen und das tun wir doch, oder?

Der Frau brummte der Kopf. Na, hast du meinen Stock zu spüren gekriegt? Hart, obwohl er aus Holz ist. Bleib ruhig liegen, ich tu dir nichts. Deine Waffe liegt übrigens neben dir, falls du sie suchst. Bleib liegen, bis es dir besser geht. Ich hole uns inzwischen etwas Wasser. Und versuch nicht weg zu laufen, du kommst hier nicht raus.

Natürlicht hatte Élin recht, ich habe jene Zeit nicht erlebt. Ich kenne sie nur aus Erzählungen und Büchern. Mit der Auflösung der Weltenbauer ging der Kontakt zu unzähligen Welten verloren. Interferenzen tauchten unkontrolliert auf. Viele Welten wurden zerstört. Die Bewohner der Welten gaben einander und den Weltenbauern die Schuld. Nur die Weltenbauer wussten, dass niemand Schuld trägt. Doch auf sie hörten genau so wenige. Schreckliche Kriege brachen aus. Die Weltenbauer wurden auseinander getrieben. Ich kann die Wut der Elben verstehen, doch dass sie so handelten passt irgendwie gar nicht zu ihnen. Jene Zeit muss schrecklich gewesen sein. Noch immer spüren wir die Folgen jener Ereignisse.

Sie befanden sich in der Mitte eines runden unterirdischen Raumes. Er war riesig. An den Wänden und an der Kuppel befanden sich leuchtende Schlangenlinien verschiedener Farben, was diesem Raum eine düster mystische Atmosphäre verlieh. In eine Richtung führte ein Weg aus diesem Raum, der ebenso beleuchtet war. Auf der anderen Seite waren mehrere kleinere, rechteckige Löcher in der Mauer, verteilt von unten bis fast ganz oben. Alle möglichen Ausgänge waren mit einem massiven Metallgitter gesichert. Am Boden schloss ein grosser Kreis aus weissen Kristallen die Frau ein. Sie entdeckte ihre Waffen: Den Bogen und ihre Pfeile. Sie nahm einen Pfeil, spannte ihren Bogen und näherte sich dem Ausgang. Sie überquerte den Kreis. Das Metallgitter war fest eingebaut. Es gab keine Möglichkeit, es zu öffnen. Sie lief zur anderen Seite des Raumes und untersuchte die kleinen Löcher. Wind blies ihr ins Gesicht, als sie in eines der Löcher schaute. Die sind zur Lüftung, damit wir nicht ersticken, sagte der alte Mann, welcher sich urplötzlich im Raum befand. Die Frau erschrack und richtete ihre Waffe auf ihn. Hab ich dir nicht gesagt, dass du mir damit nicht schaden kannst? Ausserdem habe ich uns Wasser mitgebracht, meinte der Mann. Tatsächlich hatte er zwei Eimer gefüllt mit sauberem Wasser in seinen Händen. Er stellte die Eimer innerhalb des Kreises ab. Trink! Wir haben keine Chance aus dieser Welt raus zu kommen, das war ja auch euer Ziel, oder? Aber alle von euch sind zu blöd, um diese Welt zu verstehen. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit die Maschinen zu reparieren bevor diese Welt endgültig zu Grunde geht. Komm in den Kreis und leg deine Waffe nieder. Vor mir musst du dich nicht fürchten und hier sind wir an einem sicheren Ort. Die Frau machte was er sagte. Sie setzte sich in den Kreis und legte ihre Waffe neben sich. Der alte Mann reichte ihr einen gefüllten Becher. Er sagte: Wir sollten jetzt schlafen. Draussen stürmt es. Ich werde dir diese Welt zeigen, wenn wir wieder wach sind. Leg dich hin. Zum schlafen hatte der Mann an einem Ort Stroh auf den Boden gelegt. Das war nicht sehr komfortabel, doch man konnte darauf schlafen. Der alte Mann legte sich hin und schlief sogleich ein. Trotz ihrem Misstrauen trank die Frau den Becher aus und legte sich ebenfalls hin und schlief ein.

In der Eingangshalle begegnete ich Silmendil. Tilo und Nadja suchen dich, sagte er. Ich wollte wissen weshalb. Diese Frage konnte er nicht beantworten, doch er sagte mir, wo die beiden zu finden seien. Ich liess mir einen eigenen schnellen Vogel (Öffentliches Transportmittel in Élins Welt.) kommen und fuhr zu Nadjas Holzhütte im Wald.

Als die Frau erwachte war der Mann nicht da. Sie schaute zum Ausgang. In diesem Moment löste sich das Gitter in nichts auf und der alte Mann kam herein. Hinter ihm tauchte das Gitter wieder auf. Ich habe uns etwas zum Essen mitgebracht, sagte er. In seiner Hand hielt er einen Korb, der viele für die Frau unbekannte Früchte enthielt. Er kam in den Kreis, legte den Korb neben die Frau, setzte sich und sprach: Die kannst du alle essen, sie sind garantiert ungiftig. Wie hast du das gemacht?, fragte sie. Was? Das mit dem Gitter, wie hast du es geöffnet? Der Mann Antwortete mit einem Schmunzeln: Das werde ich dir gleich zeigen, aber vorher essen wir.

Fast alle Welten sind in den für Lebewesen wie mich lebenswichtigen physikalischen Regeln kompatibel. Dazu definieren die Weltenbauer Standards. Doch innerhalb dieser Regeln liessen es sich die Erbauer einiger Welten nicht entgehen, mit maximaler Fantasie die verrücktesten Dinge zu kreieren.

Der schnelle Vogel hielt an. Ich stieg aus und stand im dichten Wald. Vor mir befand sich die alte Holzhütte, welche Nadja gehört. Ich trat ein und wurde bereits erwartet. Nadja schaute mich erwartungsvoll an. Was ist?, fragte ich. Jane und Tilo waren ebenfalls da. Jane sagte: Du weisst wohl noch nichts davon, was? Hat Silmendil es dir denn nicht gesagt? Nein, er wollte mir nichts sagen ... Er und Élin werden auch noch kommen, wenn du sie nicht zu sehr gekränkt hast. Von woher weisst du jetzt das wieder? Du solltest nicht Gespräche lauschen!, wehrte ich mich. Wie dem auch sei, sprach Tilo, wir sollten keine Zeit verlieren. Die Weltenbauer haben eine weitere verlorene Welt wieder gefunden. Nun, diese Welt wurde einmal von den Elben angegriffen. Sie zerstsörten jegliche Möglichkeiten von dort aus eine Interferenz zu öffnen. Leider mussten die Elben eine Frau ihrer Truppen zurücklassen. Dies sagte er mit einem stillen Schmunzeln. Das Problem ist, fuhr er fort, die Welt könnte jederzeit zusammenbrechen. Die Weltenbauer vermuten, dass die Frau durchaus noch leben könnte. Ausserdem wohnte dort damals ein alter Weltenbauer. Er war beim Angriff der Einzige, der sich in dieser Welt befand. Möglicherweise lebt auch er noch.

Élin und Silmendil traten ein.

Die Früchte hatten alle eine braune oder graue Farbe. Kein saftiges Grün, kein leuchtendes Rot, kein Gelb. Nur Grau und dunkles Braun. Sie ass die Früchte nur mit Widerwillen, sie waren alle fade und trocken. Der alte Mann sprach: Iss nur. Wie lange bist du schon hier alleine? Vier Tage ist es her, seit die Elben diese Welt wieder verliessen und dich vergassen. die Tage dieser Welt sind kurz, doch ihr habt es geschafft, alles in zwölf Tagen zu zerstören. Zwölf Tage lang habt ihr Bäume gefällt, Leitungen zertrennt, Maschinen zerstört. Weisst du, alles in dieser Welt gibt es nur einmal. Es ist nicht möglich, die Maschinen wieder aufzubauen. Wir werden für immer hier bleiben müssen. Komm, ich zeige dir meine Welt und meine Maschinen, denn einige wenige haben euren Angriff überlebt. Komm mit. Die beiden liefen zum Eisengitter. Es ist ganz einfach zu öffnen, siehst du? Das Gitter war verschwunden. Aber wie öffnest du es?, fragte die Frau. Er antwortete: Ich öffne es nicht. Der Trick ist, im richtigen Moment durchzulaufen, denn manchmal ist das Gitter da und manchmal nicht. Du wirst das selbst auch noch bemerken. Sie schaute ihn ungläubig an, er schmunzelte. Sie bemerkte, dass sie ihre Waffe zurückgelassen hatte. Sie vertraute ihm noch immer nicht. Doch die Waffe würde sie jetzt wohl nicht mehr holen können. Sie liefen einige Meter. Ein Gitter zu einem anderen Tunnel führte nach rechts, sie liefen geradeaus weiter.

Sie liefen nochmals so weit, bis sie in einen quadratischen Raum gelangten. Er war etwa drei mal so breit wie der Stollen in dem sie vorhin liefen. Auf der anderen Seite befand sich ein zweiter Ausgang. Doch als die Beiden die Mitte des Raumes erreichten, materialisierten sich bei beiden Ausgängen Gitter. Die beiden waren gefangen.

Élin schien wieder zufrieden, doch Silmendil warf mir einen bösen Blick zu. Setzt euch, sagte Nadja. Nachdem sich Élin gesetzt hatte, war ihr Gesicht nicht mehr so freudig. Sie sprach Das ist unser Fehler, nicht war? Diese Welt geht nur wegen meinem Volk zu Grunde. Da hast du recht, sagte Tilo, tatsächlich war diese Welt durch spezielle Maschinen vor gefährlichen Interferenzen geschützt und ihr habt diese Maschinen zerstört. Jedenfalls entnehme ich das so den Büchern und den Erzählungen der Weltenbauer.

Keine Angst, das ist nur, dass hier niemand rein kommt. Ich werde es dir zeigen. In der Mitte hoben sich fünf Steine aus dem Boden. Der Mann erklärte: Du musst die Steine in der richtigen Reihenfolge nach unten drücken. Du kannst einen Stein ganz nach unten drücken, oder nur bis zur Hälfte und ihn später ganz versenken. Hast du die richtige Kombination gewählt, geht das Gitter auf. (Anzahl Möglichkeiten?) Der Mann drückte zuerst den mittleren Stein in die Mitte. Danach drückte er die äusseren Steine ganz nach unten, beginnend bei demjenigen auf der Seite des Tunnels nach aussen, fortfahrend gegen den Uhrzeigersinn. Danach drückte er den mittleren Stein noch ganz nach unten. Diese Kombination ist nur zum rausgehen, sagte der Mann und zeigte in die entsprechende Richtung. Das Gitter war mit dem Eindrücken des letzten Steins verschwunden. Die beiden liefen weiter. Halt die Luft an, sagte der Mann, jetzt wirst du etwas tolles erleben. Der Durchgang wurde durch eine glatte Wand versperrt. Ein lautes Knirschen war zu hören, die Wand bewegte sich. Eine Öffnung in der Wand kam zum Vorschein, sie hörte auf zu drehen. Sie traten ein in einen grossen Raum. Acht Metallstege verliefen von der Wand dieses Raumes zur Mitte, zu einer kleinen Kreisfläche. Unter den Stegen und über den Köpfen der beiden befanden sich riesige Zahnräder und Ketten. Als sie sich der Mitte näherten, begann sich auf einmal alles zu drehen. Es drehte sich wirklich alles, die Kreisfläche in der Mitte, die Stege, die Zahnräder und Ketten, die Wand dieses Raumes und die Wand, welche die Durchgänge schloss.

Alle Ausgänge waren blockiert. Auf der Kreisfläche in der Mitte stand ein kleiner einbeiniger runder Tisch. Der Mann begann zu erklären: Weisst du, es gibt maximal einen Weg, der dich nicht wieder in diesen Raum zurück bringt. Du musst erst wählen wohin du willst und erst dann kannst du den richtigen Ausgang öffnen. Er legte die Hand auf den Tisch und der Raum begann sich wieder zu drehen. Dieser Raum ist absolut symmetrisch. Dein Instinkt sollte aber herausfinden können, welcher Weg nach draussen an die frische Luft führt. Sowas könnt ihr Elben doch, oder? Die Frau widersprach: Nein, das stimmt nicht. Oh doch, versuch es, schliesse deine Augen, leg deine Hand auf den Tisch und vertrau dir. Fühl die richtige Tür und lass sie öffnen. Vertraue deinem angeborenen Instinkt. Konzentrier dich auf den Weg nach draussen, konzentrier dich auf die richtige Tür. Ja, genau so. Die glatte Wand, welche die Durchgänge schloss begann sich zu bewegen. Bei einem Ausgang erschien die Öffnung, doch die Wand drehte sich weiter. Erst zwei Durchgänge später blieb die Öffnung stehen. Die Frau öffnete ihre Augen. Vielleicht, sagte der Mann. Die beiden gingen durch den Ausgang und gelangen nach draussen.

Was interessant ist, fuhr Tilo fort, ist, dass es in dieser Welt soetwas wie Magie gibt. Nach den Beschreibungen, die ich gelesen habe, muss es faszinierend sein.

Sie standen in einer Gasse, die links und rechts von eng aneinander liegenden Bäumen mit verwucherten Stämmen eingeengt war. Ihre Äste hingen über den Weg. Durch die schmale Öffnung, die sie frei liessen, war ein greller Himmel zu erkennen. Hinter den beiden war eine Felswand mit einem Eingang zu einem Stollen, aus dem sie eben kamen.

Es ist keine schöne Welt, sagte Tilo, Es heisst, die Bäume stünden dicht. Ihre Stämme seien wie Stein und ihre Blätter seien braun und schwer. Nahrung und Wasser seien nur sehr schwer zu finden. Alles sei mit Wald überwachsen. Tiefe Schluchten durchtrennten die Gegend. Der Himmel sei gelb oder braun. Es gebe keine Sonne, kein Tag, keine Nacht. Schlimme Stürme bestimmten den Rhythmus des Lebens auf jener Welt.

Doch so schlimm war das alles gar nicht. Der alte Mann zeigte ihr, wie man durch das Dickicht des Waldes gelangt, wie man die Schluchten und Gräben überquert. Sie lernte, wo die besten Plätze zur Nahrungssuche waren, welche Pflanzen giftig und welche geniessbar waren. Und sie lernte wo es Wasser gab.

Eines Tages fragte der Mann: Du weisst wie du zum Wasser kommst, aber weisst du auch, wo es ist? Weisst du, der sich drehende Raum, der dreht nicht nur. Wo sind wir hier? Ich weiss es nicht. Die Bäume saugen das Wasser von tief unten nach oben. Wasser gibt es in dieser Welt überall, solange man tief genug nach unten bohrt. Wir sind hier ganz unten, erklärte der Mann. Dann bewegt sich also der Drehraum auch nach oben und unten, stellte die Frau fest. Sie gingen mit einigen Eimern voll Wasser in den grossen Raum mit dem Kreis. Als sie im Kreis waren und die Eimer abgestellt hatten, fragte er: Den Drehraum kannst du nun schon gut bedienen. Doch hast du auch mal ein Gitter öffnen können? Die Frau senkte ihren Kopf und sagte: Nein

Diesmal sprach Jane: Die Weltenbauer sagen, diese Welt gebe es bald nicht mehr. Ich sagte: Du meinst also, wir sollten sie uns vorher noch schnell ansehen? Sie nickte, die anderen auch. Wir verliessen das Haus, warteten auf einen schnellen Vogel und fuhren damit ins Hauptgebäude, wo sich ein offizielles Interferenzentor befindet. Wir liessen eine Interferenz zur Welt 503, der Weltenbauerwelt öffnen. Wir stiegen durch die Interferenz und wurden von den Weltenbauern wie üblich empfangen.

Der Mann sagte: Du wirst es noch lernen. Erinnere dich daran: Die Gitter stehen offen wann sie wollen, du musst also nur im richtigen Moment kommen. Diese Nacht schlief die Frau nicht, sondern beobachtete andauernd das Gitter. Es blieb die ganze Nacht geschlossen. Der alte Mann lachte sie aus. Du wirst es schon noch lernen, sagte er. Die Frau begriff nicht.

Einige Tage später war der Mann losgerannt, kurz bevor die beiden im Kreisraum angelangt waren. Sie konnte ihm nicht folgen, da sie zwei Wassereimer zu tragen hatte. Nun war das Gitter geschlossen, sie draussen und er drinnen. Der Mann sagte lachend: Versuch das Gitter zu öffnen! Denke an das, was ich dir immer gesagt habe. Nimm die zwei Eimer, geh in den Raum mit den fünf Steinen und komm wieder. Wiederhole das, bis das Gitter offen ist und du reinkommen kannst. Na los! Geh schon! Weshalb sollte ich das tun?, fragte sie. Er antwortete: Nur so lernst du die Gitter zu öffnen. Die Frau versuchte es einmal, zweimal, dreimal. Doch das Gitter blieb geschlossen. Die Eimer waren schwer. Nach weiteren fünf Versuchen gab sie auf und setzte sich vor das Gitter. Der Mann kam zu ihr hin und setzte sich ebenfalls. Hast du eine Familie?, fragte er. Nein, meine Mutter kam durch eine Interferenz ums Leben. Meinen Vater habe ich nie gesehen. Und du? Nein, ich hatte nie eine Familie.

Die beiden sassen einige Sekunden stumm und regungslos da. Komm, sagte der Mann später, Versuch es noch einmal! Nein, lass mich doch einfach rein. Versuch es! Du kannst den Kreisraum bedienen, dann kannst du auch die Gitter öffnen. Bitte lass mich rein. Der Mann schaute sie genau an. Er sprach: Lauf entlang dieses Tunnels. Rechts findest du ein Gitter. Hinter diesem Gitter beginnt ein Labyrinth. In der Mitte dieses Labyrinths findest du etwas, das dir sehr wichtig ist. Glaub mir, irgendwann wirst du dorthin gelangen können. Versuch es jetzt noch einmal. Die Frau spürte in diesen Worten eine tiefe Wahrheit.

Ich warne euch! In dieser Welt stürmt es!, wurden wir von einem Weltenbauer gewarnt. Die Interferenz wurde geöffnet. Der Himmel war mit schwarzen Schatten überzogen. Bäume krümmten sich.

Noch einmal kam sie. Diesmal hatte sie das unerklärliche Gefühl, es sei der richtige Moment. Und so war es. Das Gitter war offen. Sie lief bis in den Kreis. Der alte Mann umarmte sie kräftig. Die Eimer fielen zu Boden und kippten um. Der Mann liess sie aus seiner Umarmung frei und sprach: Du hast es geschafft, du bist genial. Komm, wir schlafen. Spürst du den Sturm toben?

Wir schritten durch die Interferenz. Von weitem konnten wir eine Frau erkennen, die eine Person schleppte. Sie winkte uns um Hilfe. Wir liefen ihr entgegen.

Die Frau lernte schnell alle Gitter zu öffnen. Mit den Jahren die verstrichen, konnte sie immer weiter ins Innere des Labyrinths vordringen. Sie hatte Spass mit dem Mann. Diese Welt gefiel ihr. 19 Jahre waren seither Vergangen. Sie wurde älter, er wurde älter. Er war dem Ende seines Lebens nahe, doch würde es für ihn noch eine Chance geben, diese Welt zu verlassen. Diese Chance war jetzt. Doch sein Leben war bereits zu Ende

Als wir die beiden erreichten sass sie am Boden und hielt seinen toten Körper in ihren Armen. Sie schaute uns nicht an. Tilo schaute sich um. Es stürmte. Der Sturm wurde laufend stärker. Bäume knickten, Felsen brachen ab. Es bebte. Wir mussten uns bereits aufs Stehen konzentrieren.

Wir forderten die Frau auf mit zu kommen. Sie wehrte sich: Nein, lasst uns hier. Er ist tot. Ich wollte ihm nur noch zeigen, dass wir doch eine Möglichkeit bekommen haben, diese Welt zu verlassen. Doch jetzt ist es zu spät. Ich bleibe hier, ich liebe diese Welt. Das ist meine Heimat. Er war wie ein Vater für mich. Ich bleibe. Ich werde zusammen mit dieser Welt sterben. Geht jetzt, bevor es zu spät ist! Bist du dir da ganz sicher?, fragte Élin. Ja, das bin ich, geht jetzt, antwortete die Frau. So gingen wir zurück in Sicherheit, zurück in die Weltenbauerwelt. Wir schauten noch einige Sekunden durch die Interferenz. Wir sahen, wie die Welt dem Untergang immer schneller näher kam. Die Weltenbauer schlossen die Interferenz und wir konnten uns nur noch denken was weiter geschah.

Die Frau liess den toten Mann liegen und rannte in den sich drehenden Raum. Sie liess den Raum um drei Stufen nach unten fahren und den richtigen Ausgang öffnen. Sie rannte. Sie drückte die Steine in der richtigen Reihenfolge nach unten, rannte weiter. Sie zweigte nach links in das Labyrinth ab. Diesmal erreichte sie den innersten Raum des Labyrinths. Auf einem steinernen Tisch lag ein goldenes Schwert. Für einige Sekunden schaute sie es regungslos an. Dann sagte sie leise: Vater

Sie packte das Schwert, rannte in den Kreisraum, setzte sich in die Mitte, das Schwert in ihrer Hand. Und so starb sie.